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Gefahrstoffe- Reinhaltung der Luft - Ausgabe 4/2015

Biomonitoring mit Grünkohl und Graskultur im Umfeld des zukünftigen Flughafens Berlin Brandenburg – Langfristige Untersuchung möglicher Umweltwirkungen von Luftverkehr und Flughafenbetrieb

Biomonitoring mit Grünkohl und Graskultur ist, neben Luftgütemessungen und Bienenmonitoring, ein Baustein des Umwelt-Untersuchungsprogramms am Flughafen Schönefeld, künftig Berlin Brandenburg. Mit standardisierter Exposition von pflanzlichen Bioindikatoren können die Anreicherungen von Luftschadstoffen – Immissionswirkungen – gezielt untersucht werden. Gleichzeitig liefert das Biomonitoring eine Aussage zum Gefährdungspotenzial für Nahrungskette und Mensch. Die Messungen 2011 bis 2013 zeigen, dass der Flughafen Schönefeld keinen relevanten Einfluss auf die Immissionswirkungen in der Region hat. Die Ergebnisse der Grünkohl- und der Graskulturuntersuchungen auf PAK sowie Spuren- und Schwermetalle korrespondieren gut miteinander. Die Messwerte liegen flughafennah wie -fern in vergleichbarer Größenordnung, unterhalb der herangezogenen Höchst- bzw. Prüfwerte. Saisonale Effekte, die sich teilweise von Hintergrundwerten abheben, können aufgrund geeigneter Auswahl der Messpunkte differenziert und identifiziert werden. Hierzu zählen beim Grünkohl gegenüber dem Hintergrund erhöhte PAK-Gehalte 2011, verursacht durch eine außergewöhnliche Trockenperiode mit überdurchschnittlicher Staubexposition, sowie vereinzelt erhöhte Schwermetallgehalte 2011 und 2012 an der nicht betriebenen Südbahn des Flughafens, die lokalem Einfluss von Kfz-Verkehr zuzuordnen sind. Bei den Untersuchungen der Graskulturen im Mai 2012 und 2013 konnten über den Hintergrund erhöhte PAK-Gehalte auf den Einsatz von Kleinfeuerungsanlagen aufgrund der kalten Witterung zurückgeführt werden. Die Messungen belegen, dass standardisiertes Biomonitoring eine belastbare und differenzierte Bewertung der Immissionswirkungen im Untersuchungsgebiet ermöglicht. Die Untersuchungen von Lebens- und Futtermittel liefernden Pflanzen im Rahmen des Biomonitorings erleichtern den Anliegern das Einordnen der Ergebnisse und stellen einen stärkeren Bezug her als punktuell erhobene Konzentrationsmessungen von Luftschadstoffen allein. Die gewonnenen Erkenntnisse tragen zur fundierten Datengrundlage bei, die in die Fortentwicklung der Richtlinienreihe VDI3957 zum Einsatz pflanzlicher Bioindikatoren eingeht und in die Neuentwicklung der Richtlinienreihe VDI3857 über Beurteilungswerte für immissionsbedingte Luftschadstoffanreicherungen.

Biomonitoring with curly kale and grass exposure in the vicinity of Berlin Brandenburg Airport – long-term investigation of the possible environmental impact of air traffic and airport operations

In addition to air quality measurements and bee monitoring, biomonitoring with curly kale and grass exposure is an important part of the environmental investigation program at Berlin’s Schönefeld (Berlin Brandenburg) Airport. The accumulation of air pollutants, i.e. immission effects, is investigated using standardized plant bioindicator exposure. Biomonitoring also indicates potential dangers to the food chain and humans. Measurements made from 2011 to 2013 show that Schönefeld Airport has no relevant impact on the immission effects in the region. The results of curly kale and grass exposure investigations for polycyclic aromatic hydrocarbons (PAH), trace metals and heavy metals concur well with one another. Values measured both near the airport and at a distance from it are comparable and below applicable maximum threshold and test values. Appropriately selected measurement points differentiate and identify seasonal effects deviating from background values. For curly kale this includes in 2011 PAH levels above background values, resulting from an unusually dry period with above-average dust exposure, as well as occasional increased heavy metal content in 2011 and 2012 at the airport’s unused southern runway, attributable to the local impact of automobile traffic. Grass exposure investigations in May 2012 and 2013 showed above-background PAH levels assignable to private heating systems in use during unusually cold weather. Standardized biomonitoring thus enables a robust and differentiated evaluation of immission effects within the study area. Biomonitoring investigation of plants used in foodstuffs and animal feed helps local residents understand and identify with the results more easily than is the case with isolated air concentration measurements alone. The knowledge gained contributes to a sound data basis for ongoing development of the Standard series VDI 3957 (plant bioindicators, source related measurements) and VDI 3857 (assessment values for accumulation of substances caused by ambient air pollution).

Autor(en):
Wäber, M.; Aust, S.; Johannsen, K.; Pompe, F.; Heimberg, J.

Der vollständige Beitrag ist erschienen in:
Gefahrstoffe- Reinhaltung der Luft 4/2015, Seite 137-142
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