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15.03.2019

Vom Winde verweht: Pestizid-Rückstände in der Luft

Immer wieder kommt es zu aufsehenerregenden Fällen, in denen die Windverfrachtung von Pestiziden schwere Schäden in der Umwelt anrichtet. Ein besonders dramatischer Fall führte beispielsweise 2008 im Rheinland zum Tod von Millionen Bienen und tausenden Bienenvölkern: Das von Bayer vertriebene Insektengift Clothianidin wurde durch den Wind auf benachbarte Felder verfrachtet und tötete dort massenweise Bienen und andere Bestäuber.

Doch auch über diese Fälle hinaus mehren sich die Hinweise, dass wir es bei der Verbreitung von Pestiziden möglicherweise mit einem noch größeren, lange unterschätzten Problem zu tun haben. Einem Problem, das noch über die Belastung von Böden, Gewässern oder Nahrungsmitteln hinausgeht: Einer nachweisbaren, beständigen Belastung unserer Atemluft, unserer Gesundheit und letztendlich unseres gesamten Ökosystems durch giftige Spritzmittel.

Bereits Anfang 2018 startete das Umweltinstitut München e.V. deshalb eine Untersuchung in Südtirol, Europas größter Obstbauregion. Dort werden zehn Prozent der europäischen Äpfel produziert; die Plantagen bis zu 30-mal im Jahr mit Pestiziden gespritzt. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden am 8. März in der Südtiroler Gemeinde Mals präsentiert, die sich 2014 per Volksabstimmung zur ersten pestizidfreien Gemeinde Europas erklärte.

Auch in Deutschland gibt es nun ein groß angelegtes Projekt: Gemeinsam mit dem „Bündnis für eine Enkeltaugliche Landwirtschaft“ (BEL), einem Zusammenschluss der Bio-Branche und dem unabhängigen Umweltbüro „Team Integrierte Umweltüberwachung“ (TIEM) werden an jeweils mehreren Dutzend über ganz Deutschland verteilten Standorten technische Passivsammler aufgestellt, Filter von Belüftungsanlagen analysiert und Pollen auf Pestizidrückstände untersucht. Ergänzend wird die Belastung der äußersten Rindenschicht von Bäumen gemessen.

Die Ergebnisse einer Vorstudie des BEL, in der an 47 Standorten in ganz Deutschland Baumrinde auf Rückstände von Pestiziden untersucht wurde, verheißt nichts Gutes für unsere Luftqualität: An allen Standorten wurde eine Pestizid-Belastung nachgewiesen. Insgesamt 106 Substanzen in unterschiedlichen Kombinationen fanden die ForscherInnen. Neben derzeit häufig eingesetzten Ackergiften wie Glyphosat oder Pendimethalin finden sich auch Rückstände des seit Jahrzehnten verbotenen DDT in der Luft.

www.umweltinstitut.org



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