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19.12.2019

BfR-Studie zu E-Zigaretten: Vergiftung durch „Dampfen“?

Das versehentliche Verschlucken von Liquids ist mit 82 % der Fälle der häufigste Grund für Anfragen zu elektronischen Zigaretten (E-Zigaretten) bei den Giftinformationszentren in Deutschland. Nur in 8 % wurde ein bestimmungsgemäßer Gebrauch, also Einatmen bzw. Inhalation, angegeben. Dies ist ein Ergebnis der Studie „Pilotprojekt Monitoring von Vergiftungen“ (PiMont) des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und der Gesellschaft für Klinische Toxikologie (GfKT). Insgesamt wurden in der Studie 851 Vergiftungen und Vergiftungsverdachtsfälle nach Kontakt mit E-Zigaretten oder E-Liquids registriert.

In den USA war es nach dem Gebrauch von E-Zigaretten bis Ende November 2019 zu mehr als 2 000 Fällen mit teilweise schweren Lungenschädigungen und 47 Todesfällen gekommen. Eine mögliche Ursache ist laut den amerikanischen Centers for Disease Control (CDC) Vitamin-E-Acetat, das in manchen Liquids enthalten ist und in der Lungenflüssigkeit von Patienten nachgewiesen wurde.

Wie eine umfassende Auswertung der Anfragen bei den Giftinformationszentren in Deutschland durch die GfKT und das BfR ergab, betraf die Mehrzahl der Anfragen in Deutschland das unbeabsichtigte Verschlucken der meist nikotinhaltigen Nachfülllösungen („E-Liquids“), häufig durch Kinder. Darunter fanden sich auch zwei als lebensbedrohlich eingestufte Fälle. Das in E-Liquids meist enthaltene Nikotin kann beim Verschlucken schon in geringen Mengen zu deutlichen Gesundheitsbeschwerden wie starkem Erbrechen führen. Bei der Aufnahme größerer Mengen von Nikotin kann es zu lebensbedrohlichen Vergiftungserscheinungen kommen. Anhaltende Atembeschwerden und Lungenschäden nach Inhalieren wurden in der Studie nicht festgestellt.

Im Zeitraum von Mai 2018 bis Februar 2019 wurden in der PiMont-Studie insgesamt 167 Vergiftungsfälle und Fälle mit Vergiftungsverdacht genauer erfasst: Nach Einatmen des Dampfes hatten die Patienten in über 90 % der Fälle keine oder nur leichte Symptome.

Die Fallsammlung zu E-Zigaretten ist eines von acht Teilvorhaben in der PiMont-Untersuchung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU). Beteiligt an der PiMont-Studie sind neben dem BfR die GfKT und alle acht deutschen Giftinformationszentren. Die Datensammlung erfolgte für den Zeitraum Januar 2015 bis November 2017 sowie prospektiv mit umfassenderen Fallberichten für Mai 2018 bis Februar 2019. Ergebnisse werden in Kürze in einem Abschlussbericht veröffentlicht.

www.bfr.bund.de



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